nederlandse vereniging voor kunstzinnige therapieën

Iris Jacobeit, 49e internationale muziekconferentie 2017 Zutphen

Door Redactie - In: Conferenties - 28 oktober 2017

„Die Enharmonik ist der ‚ganze Mensch‘ “. Wissenschaftliches Editionsprojekt zum unveröffentlichten Briefwechsel zwischen Hermann Pfrogner und Hans Heinrich Engel von 1963- 1971.

Diese Masterarbeit, die den Abschluss des Master- Studiengangs „ Methoden musiktherapeutischer Forschung und Praxis“ in Magdeburg darstellt, ist eine philologische Arbeit (Quellenarbeit) und somit der historischen Forschungsrichtung zuzuordnen.

Die Arbeit wurde möglich durch den Zugang zu einem privaten Archiv, das sich heute bei Marlise Maurer in Bern befindet und von den Musiktherapeutinnen Johanna Spalinger und Veronika Bay stammt. Das Archiv beinhaltet unter anderem den  Briefwechsel zwischen zwei wichtigen Persönlichkeiten der anthroposophischen Musiktherapie, Hermann Pfrogner und Hans Heinrich Engel. Beide Persönlichkeiten, Hermann Pfrogner als Musikwissenschaftler und Tonsystematiker und Hans Heinrich Engel als Arzt im heilpädagogischen Bereich der Camphill- Bewegung tätig, arbeiteten ein- bis zweimal im Jahr in der Zeit zwischen 1963 und 1971 in Christophorus in Holland in den Kinderbesprechungen zusammen. Diese Treffen gaben für Pfrogner immer wieder den Anstoss an musiktherapeutischen Themen weiter zu forschen und machten wegen der seltenen Treffen einen brieflichen Austausch notwendig. Engel war für Pfrogner sein „musikalisches Gewissen“. So geben die Briefe Einblicke in die sich nach und nach entwickelnden Grundlagen der anthroposophischen Musiktherapie.

 

 

Die Voraussetzung für diese Art von Musiktherapie liegt vor allen Dingen in Pfrogners Musikbegriff. Pfrogner forderte „das Loskommen von der zu statischer Unbeweglichkeit erstarrten Betrachtungsweise des Tonbezugshaften“, einer Betrachtungsweise, die nur die Töne ins Auge fasst, nicht aber was zwischen ihnen geschieht. Denn, so Pfrogner, „die musikalische Wirklichkeit ist Bewegung“; die Musik liegt zwischen den Tönen. Das Greifbare, die Töne und Tonhöhen sind labil, das Beständige ist das äusserlich nicht Fixierbare.

Diese Überlegungen führten dazu, musikalische Abläufe mit Bewegungen und Prozessen im Menschen in Beziehung zu setzen. Das Hauptthema des Briefwechsels sind die „Drei Lebensaspekte der Musik“. Im Austausch mit Engel beschäftigte sich Pfrogner mit dieser Thematik und entwickelte Schritt für Schritt die musikalischen Formen, die bis heute angewendet werden.

Zu dem ersten Lebensaspekt, den sieben inneren Bewegungen, fand Pfrogner die sieben diatonischen Intervalle als musikalische Entsprechungen.

Der 2. Lebensaspekt, der die sieben Lebensprozesse (Atmung, Wärmung, Ernährung, Absonderung, Erhaltung, Wachstum, Reproduktion) umfasst, wurde in verschiedenen Variationen in fast 30 Briefen thematisiert. Einen grösseren Raum nimmt der „Adam- und- Eva- Aspekt“ der sieben Lebensprozesse dabei ein. Aus diesem Zusammenhang ist das Zitat  „Die Enharmonik ist der ‚ganze Mensch‘“ entnommen. Durch die Aufspaltung in den männlichen und weiblichen Aspekt entstehen die chromatisch veränderten Intervallfolgen, die der Differenzierung der Lebensprozesse entsprechen. In den aufgehellten oder abgedunkelte Intervallfolgen wird die enharmonische Integration aufgezeigt und die Vereinseitigung überwunden.

Pfrogner benutzte die von ihm entwickelte, als Anhaltspunkt dienende, tönende Lebenskurve , um die Lebensprozesse musikalisch noch genauer fassen zu können und entdeckte dabei, dass die Lebensprozesse nicht (wie bei den inneren Bewegungen) ihre unmittelbare Entsprechung in den Intervallen finden, sondern „dass die Intervalle Tore, Mittler der Lebensprozesse sind“.

Als sich Pfrogner immer intensiver mit den so genannten Abirrungen der Lebensprozesse und ihrer musikalischen Darstellung beschäftigte, stiessen diese Ideen Pfrogners auf deutliche Ablehnung von Seiten Engels, der das bereits Entwickelte als umfassendes Korrelat erachtete. Erst ein Jahr später wurde der Austausch über die Lebensprozesse, aber jetzt in einem anderen Zusammenhang, nämlich ihrer Durchseelung fortgesetzt.

Während bei den sieben Lebensprozessen deutlich bestimmbare Entwicklungsschritte erkennbar sind, teilte Pfrogner zu den sieben Lebensstufen seine Forschungsergebnisse in einem Brief nur mit.

Mit diesem Briefwechsel stellen sich Pfrogner und Engel als Persönlichkeiten dar, die als Pioniere anthroposophischer Musiktherapie entscheidende Aspekte entwickelten. Es offenbart sich im Briefwechsel eine ernsthafte und zielgerichtete Auseinandersetzung mit bestimmten musiktherapeutischen Themen und ein aussergewöhnlich hohes Engagement. Für Pfrogner, so seine eigene Aussage in einem Brief, bestand der Sinn seines Lebens darin, „den helfenden und heilenden Kräften der Musik zu dienen“.

Diese, für die anthroposophische Musiktherapie wichtigen Dokumente sollen voraussichtlich im nächsten Jahr beim Peter Lang Verlag, Internationaler Wissenschaftsverlag in Frankfurt/M., veröffentlicht werden. In einem momentan aktuellen Publikationsangebot des Verlages beläuft sich der Verkaufspreis eines Buches auf ca. 50 Euro. Bei einer Bestellung vor Drucklegung durch den Autor ist von einem Preis von ca.19 Euro auszugehen.

Iris Jacobeit,

i.jacobeit@googlemail.com