nederlandse vereniging voor kunstzinnige therapieën

Katarina Seeherr, 49e internationale muziekconferentie 2017 Zutphen

Door Redactie - In: Conferenties - 28 oktober 2017

Karl Königs musiktherapeutische Impulse:

zum Beitrag von Katarina Seeherr am 26. Mai 2017 in Zutphen:

In diesem Beitrag über meine 2016 fertig gestellte Masterarbeit möchte ich anschliessen an meine Ausführungen darüber im letzten Jahr in Stuttgart. (siehe Rundbrief Nr. 27.) Ich studierte im Studiengang „Methoden musiktherapeutischer Forschung und Praxis“ an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Mein Thema lautete:

„Karl Königs Beitrag zur musiktherapeutischen Arbeit mit Gehörlosen. Disziplinäre Vorgeschichte und editorische Kontextualisierung des Artikels „Musiktherapie in der Heilpädagogik“ aus dem Jahre 1958“.

 

Meine Forschung beschäftigte sich mit der Geschichte der Anthroposophischen Musiktherapie und setzte an im Jahre 1958, als R. H. Teirich (1907–1978) den Sammelband “Musik in der Medizin“ herausgab. R. H. Teirich kannte den Arzt und Heilpädagogen (Begründer der Camphill Bewegung) Karl König (1902–1966)  und den Musiker Edmund Pracht (1898–1974). Ihm war es wichtig, dass in seinem wissenschaftlichen Buch ein Beitrag über anthroposophische Musiktherapie erscheinen sollte. Diesen Artikel schrieb König über seine Erfahrungen mit Musiktherapie in der Heilpädagogik in den fünfziger Jahren in Camphill Schottland.

Er beschrieb drei Therapien, für psychotische, spastische und taube Kinder. Diese Therapie nannte er spezielle Musiktherapie und grenzte sie damit ab zur allgemeinen Musiktherapie, die mit den Elementen Melodie, Harmonie und Rhythmus das Seelische des Kindes anspricht, das Denken, Fühlen und Wollen. Im „Kompass“ für Musiktherapeuten“ fasste er am Ende des Artikels seine Ausführungen zusammen: 
 

Durch Königs Artikel über Musiktherapie in der Heilpädagogik in diesem Band wurden Rudolf Steiners Ausführungen zur Musik in weiten Kreisen bekannt. Carl Orff und Cesar Bresgen äusserten sich dazu in Artikeln. Es ist bekannt, dass die 1959 ins Leben gerufene Wiener Musiktherapie Ausbildung auch von Anthroposophen geleitet wurde. Der berühmte amerikanische Komponist und Anthroposoph Paul Nordoff (1909-1977) hörte 1958 im Londoner Rudolf Steiner Haus Königs Vorträge zu Musiktherapie mit spastischen Kindern. Er wurde Musiktherapeut. Ferdinand Rauter, ein Komponist der in den 40ger Jahren mit König in Camphill arbeitete betätigte sich später musiktherapeutisch mit Juliette Alvin und Paul Nordoff in London. Christoph Andreas Lindenberg (geb. 1932, Mitarbeiter in Camphill Schottland, Musiktherapeut und Begründer der Dorion Scool for music therapy in America) nahm an Tagungen und Kursen von Alvin und Nordoff in London teil. Nordoff machte Phänomenstudien mit seinen Studenten und stützte sich auch auf den Toneurythmiekurs Steiners. (siehe: C. Robbins: Healing Heritage, Barcelona publishers.)  Seine Frau war Eurythmistin.

Karl König ging es, anschliessend an seine Ausarbeitungen für den Artikel, in Vorträgen über Musiktherapie 1958 für Mitarbeiter in Camphill darum, auf die Kräfte, die in der Musik leben zu weisen. Das Lebendige in der Musik, wie Musik im Menschen erlebt wird, darauf wollte er hinaus. So sprach er im Juni und Juli 1958 in vier Vorträgen über Musik und Musikerlebnis. Von diesen unveröffentlichten Vorträgen sind Notizen erhalten. Hier behandelte König die Stufen des Hörbaren, Geräusch, Klang, Laut und Ton und kam ansatzweise zu therapeutischen Vorschlägen:

  • Geräusch:       physisch,        Mineralien,      Tastsinn
  • Klang:             ätherisch,        Pflanzen,        Lebenssinn
  • Laut:                astralisch,       Tiere,              Bewegungssinn
  • Ton:                Ich,                  Mensch,          Gleichgewichtssinn

 

  • Geräusch:       zur Belebung des Tastens
  • Klang:             für das Ohr selbst
  • Laut:                Für Kehlkopf und Sprachstörungen
  • Ton:               Melos, für den ganzen sich bewegenden und sich nicht bewegen             könnenden Menschen.

König war die wissenschaftliche Forschung wichtig. Er war immer auf dem Stand der neuesten Entwicklungen. Seine Artikel und Vorträge beruhten auf genauer Forschung, die er in Zusammenhang brachte mit den Erkenntnissen der anthroposophischen Geisteswissenschaft, sie weiterentwickelte und für die Praxis anwendbar machte.

Worum ging es König: Prozesse erkennen und erlebbar werden lassen, er wollte den Aspekt des Lebendigen im Menschen mit wissenschaftlichen Mitteln erfassen und Zusammenhänge erkennen, denn das Musikalische und das Hören lebt im Element des Lebendigen. Er machte auch morphologische Studien zu Auge und Ohr und veröffentlichte u. A. seine Forschungsergebnisse über den Zusammenhang zwischen Taubheit und Krebs. Noch weitere unveröffentlichte Vorträge und Artikel Königs befassten sich mit dem Hören und der Beziehung des Hörens zum Bewegen.

Seine Impulse wurden von Hans Heinrich Engel (1921 – 1973) in Zusammenarbeit mit Hermann Pfrogner (1911 – 1988) und einem Kreis von Musiktherapeuten und Eurythmistinnen in Holland aufgegriffen und weitergeführt: In der Camphill Gemeenschap Christophorus wurde in den sechziger und siebziger Jahren mit Veronika Bay (1922 – 2016) an den Aspekten der Lebensprozesse, inneren Bewegungen und Lebensstufen und ihrer Beziehung zu den Intervallen geforscht. In der Schweiz arbeitete Johanna Spalinger (1926 – 2013) an diesen Aspekten der Musik und in Deutschland Susanne Müller-Wiedemann (1916 - 2010) Sie arbeitete in Schottland mit König in den fünfziger Jahren an der Entwicklung der Musiktherapie. Hermann Pfrogner lernte die Anthroposophie von Anny von Lange (1897 – 1957) kennen und wurde von ihr in die goetheanistische Forschungsmethode für Musik eingeführt. Sie sah Phänomenstudien als Zeitforderung zur Wandlung des Hörens. König sah weiterführende Möglichkeiten in dieser Form der Forschung und gab Hermann Pfrogner die Anregung, sich mit dem Zusammenhang zwischen Lebensprozesse und Intervallen zu beschäftigen.

Durch eine Tagebuchnotiz Königs wissen wir von einer Musiktherapietagung im Januar 1962 in Camphill Schottland und ein Bericht in der „Cresset“ von Margaretha Reuschle erwähnt, dass dort auch die Gründerin und langjährige Leiterin der musiktherapeutischen Arbeitsstätte Berlin e. V. Maria Schüppel (1923 – 2011) teilgenommen hat.

Mit Hilfe von Archivmaterial aus dem Karl König Archiv war es mir möglich, vieles zu recherchieren. Es bleibt aber noch viel zu tun, wollen wir den Anfängen der anthroposophischen Musiktherapie und ihren Grundlagen gerecht werden.

Für das zur Verfügung stellen von Materialien aus dem Karl König Archiv für diese Forschung bin ich sehr dankbar.

Katarina Seeherr, Camphill Dorfgemeinschaft Lehenhof, D-88693 Deggenhausertal. kuseeherr@gmail.com

Vorgeschlagene Literatur:

König, Karl (1958): unveröffentlichte Notizen zu Vorträgen von Mai -Juli 1958: Karl König Archiv,       Aberdeen/Schottland.(40D1_0111-0131), (englisch). (R01D1_0273-0298), (deutsch).

Alvin, Juliette, (1965/1988): Musik und Musiktherapie für behinderte und autistische Kinder. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart/New York.

Bresgen, C. (1958): Musikalisches Schaffen als Heilmöglichkeit. In: Teirich, H. R.(Hg.): Musik in       der Medizin. Beiträge zur Musiktherapie. Fischer, Stuttgart.

König, Karl (1952): Zum Problem der kindlichen Taubheit. Hörvermögen und Tumorbildung. In:        Beiträge zur Erweiterung der Heilkunst. 4. Jg. Nr. 9/10.   S.197-211.

König, Karl (1955): Einige Gesichtspunkte für die Behandlung gehirngelähmter Kinder. In: Das         Seelenpflege- bedürftige Kind, 2. Jg. H.1. S. 12-25.

König, Karl (1958): Bewegungsgestalten und Klanggebilde. Über die Wurzel der      eurythmischen Gebärden. In: Die Drei. Jg.1958, H. 4. S. 187-202.

König, Karl (1958) Zur Konkordanz morphologischer Gebilde. Zur Morphologie des äußeren             Ohres. In: Beiträge zur Erweiterung der Heilkunst. 11.Jg. Nr.5/6.          S. 81-89.

König, Karl (1958): Zur Musik-Therapie in der Heilpädagogik. In: Teirich, H. R. (Hg.):Musik in der      Medizin. Beiträge zur Musiktherapie. Fischer, Stuttgart.

Müller-Wiedemann, Susanne, (1955): Aus der Arbeit mit tauben Kindern. In: Das Seelenpflege-       bedürftige Kind, 1. Jg. H. 2. S. 27-30.

Müller-Wiedemann, Susanne (1969): Über die Anwendung von Musik und   Eurythmie in der           Behandlung hör- und sprachgeschädigter Kinder. In: Carlo Pietzner (Hg.) Aspekte der     Heilpädagogik. Beiträge aus der Camphill- Bewegung. Freies Geistesleben, Stuttgart.

Orff, Carl (1962): Orff- Schulwerk in der Heilpädagogik und Medizin. In: Die Heilkunst, Zeitschrift      für praktische Medizin und die Synthese aller Heilverfahren. Sonderdruck. August 1962, H. 8.        (Keine Seitenangabe).

Pfrogner, Hermann (1978): Die sieben Lebensprozesse. eine musiktherapeutische Anregung.          Verlag die Kommenden, Freiburg.

Pfrogner, Hermann (1985): Leben und Werk. Versuch einer Lebensbeschreibung. Novalis Verlag,    Schaffhausen.

Pfrogner, Hermann (1989): Die sieben Lebensaspekte der Musik. Novalis Verlag     AG.Schaffhausen.

Pracht, Edmund (1956/1989): Die Entwicklung des Musikerlebens in der Kindheit. In: Bort, Julia       (Hg.) Heilende Erziehung. Vom Wesen Seelenpflege- bedürftiger Kinder. Freies Geistesleben,        Stuttgart

 Robbins Clive and Carol (Hg) (1998), “Healing Heritage: Paul Nordoff exploring the tonal      language of music”. Gilsum, NH: Barcelona Publishers.

Steiner, Rudolf (1927/1975) GA 278. Eurythmie als sichtbarer Gesang. Rudolf Steiner Verlag,          Dornach, Schweiz.

Steiner, Rudolf (1923/1991): GA 283. Das Wesen des Musikalischen und dasTonerlebnis im            Menschen. Rudolf Steiner Verlag, Dornach, Schweiz.

Engel, Hans-Heinrich. (1999): Musikalische Anthropologie. Anregungen zum Studium der    anthroposophischen Musiktherapie. Vortragsnachschriften bearb.von Heinrich Schneider,           Johanna Spalinger, Marlise Maurer. MedizinischeSektion der Freien Hochschule für       Geisteswissenschaft. Goetheanum,Dornach, Schweiz.

Fitzthum, Elena (2003): Von den Reformbewegungen zur Musiktherapie. Die           Brückenfunktion der Wally Weigl. Edition Praesens, Wien.

Kim, Youngshin (2004), Über die Anfänge der Nordoff-Robbins Musik Therapie, Journal of music     therapy Jg. XLI, H. 4. S. 321-339.

Teirich, Hildebrand. Richard (Hg.) (1958): Musik in der Medizin. Beiträge zur Musiktherapie.             Fischer, Stuttgart.

Intveen, Andrea, Edwards, Jane (2012): The history and basic tenets of anthroposophical music      therapy. In: Voices: A World Forum for Music    Therapy, Bd. 12, Nr. 2. https://voices.no/index.php/voices/article/view/646/548       22. 2. 2016.

Karl König Archiv, Camphill, Schottland http://www.karl-koenigarchive.net/index.html

Camphill research network: http://www.camphillresearch.com/non-english-publications-2/       http://www.camphillresearch.com/dissertations/     2. 2. 2016.